13.03.2018

1/6

Haarverlust nach der Menopause

In den Wechseljahren macht der Körper einer Frau viele Veränderungen durch. Besonders der Verlust der Haare ist für viele sehr belastend. Zum Glück gibt es Therapien, die zuverlässig helfen.

 

Zu wenig, zu dünn: Das Leid mit den Haaren

Ein Beitrag von Verena Thurner, Schweizer Illustrierte zum Thema Haarausfall bei Frauen in den Wechseljahren, im Interview unserer Fachärztin Dr. med. Saskia De Smet.

Die Menopause bringt für Frauen einige unerfreuliche Symptome: Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme und Haarausfall oder Ausdünnung der Haare. Gerade der Verlust der Haare ist für viele Frauen sehr belastend. Wenige sind sich bewusst, dass das Risiko für Haarausfall nach der Menopause hoch ist.

Am Jahreskongress der American Academy of Dermatology vom vergangenen Jahr sprachen Spezialisten von 50 Prozent betroffenen Frauen. Diese beschreiben den Haarverlust als Katastrophe, fürchten sich vor einer Glatze. Mehr als die Hälfte dieser Frauen leidet dann an Depressionen.

Was sind die Ursachen des Haarverlusts in der Menopause? Laut Dr. Saskia De Smet vom Hair & Body Atelier im Haus zur Pyramide in Zürich sind es hauptsächlich die hormonellen Veränderungen, die die Haare ausfallen oder dünner werden lassen. Vor allem Frauen mit einer genetischen Vorbelastung reagieren empfindlich auf diese Hormon-Disbalance. «Nach der Menopause fällt ein Grossteil der weiblichen Hormone weg. Der Einfluss von männlichen Hormonen verstärkt sich», erklärt die Fachärztin. Die Haarwurzel reagiert sensibel auf Testosteron. Unter dem Einfluss des männlichen Hormons wird der Haarzyklus immer kürzer. Das Haar hat keine Zeit, dick und lang zu werden. Normalerweise wächst ein Haar im Zyklus von sechs bis sieben Jahren. Danach fällt es aus, und ein neues Haar wächst im Follikel nach.

Neben der hormonellen Veränderung können auch ungesunde Ernährung, Mangel an Eisen, Zink oder Vitamin D Ursachen für Haarverlust sein. Untersucht werden sollte auch die Schilddrüse, die nach der Menopause nicht immer optimal funktioniert. Stress ist ein weiterer Faktor. «Bei Stress werden Stresshormone produziert, und diese haben einen negativen Einfluss auf das Haar. Das Wachstum stoppt, das Haar fällt aus. Es kommt zu viel Haarverlust in kurzer Zeit», erklärt Dr. De Smet. Auch auf Diäten reagiert das Haar sensibel.

Für eine Therapie wird ganz genau abgeklärt, welche Ursachen dem Verlust zugrunde liegen. «Durch eine Blutentnahme muss ausgeschlossen werden, ob ein Mangel oder eine Schilddrüsen-Unterfunktion vorliegt.» Bei hormonell bedingtem Haarausfall könnte man annehmen, dass eine Hormonsubstitution helfen könnte. Das ist aber nicht immer der Fall. Dr. De Smet bespricht den Fall dann jeweils mit dem Gynäkologen. Bei einer stark hormonellen Komponente beweisen Studien einen positiven Effekt durch Finasteride bei postmenopausalen Frauen. Finasteride verhindert die Umwandlung des Sexualhormons Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Nach aktuellem Kenntnisstand der Forschung reagieren bestimmte Haarfollikel auf DHT mit der Reduzierung der Anagenphase, der Wachstumsphase. Das zweite orale Medikament ist Spironolacton, eigentlich ein Mittel gegen Bluthochdruck.

Lokal wendet Dr. De Smet Minoxidil, Tinktur oder Schaum, an. «Minoxidil öffnet die Blutbahnen. Dadurch bekommen die Haarwurzeln mehr Kraft.» Die Anzahl der Haare nimmt unter der Behandlung nicht unbedingt zu, aber die Haare werden dicker. Eine weitere Möglichkeit ist Eigenblut. Platelet-Rich Plasma (PRP) enthält viele Blutplättchen und Wachstumsfaktoren. Das Plasma wird direkt in die Kopfhaut gespritzt und aktiviert so das Wachstum der Haare. Für Laserhauben, -bürsten oder -kämme zur Aktivierung der Haarwurzeln sind die Resultate für Dr. De Smet nicht konstant genug.

 

Download PDF Artikel